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Begegnungen

Neun künstlerische Positionen


Stephan Groß, Berlin
Juliana Hümpfner, Saarbrücken
Mariola Laschet, Essen

Silvia Lerin, Valencia/Spanien
Rolf Löhrmann, Rheine-Mesum
Lillemor Mahlstaedt, Hamburg
Andrea Radermacher Mennicken, Raeren/Belgien
Marianne Roetzel, Köln
Rainer Weber, Bremen


1. Juli - 31. Juli 2011

Einführung: Katja Neumann M.A.


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie ganz herzlich zur heutigen Ausstellungseröffnung im badischen kunstforum begrüßen. Die Ausstellung und die 9 vertretenen Künstlerpositionen stehen unter dem einfachen wie auch komplexen Thema „Begegnungen“ - ein Ausstellungstitel, der sicher bei jedem ganz unmittelbar eigene Bilder und Vorstellungen weckt, die die persönliche Realität reflektieren: Erinnerungen an Begegnungen, die uns berührten, fröhlich machten, in unserem Tun anspornten, die menschliche Gemeinschaft spüren ließen. Und sicher auch Begegnungen, die flüchtig oder anonym waren, und diejenigen, die wütend machten, verstörten oder isoliert  zurückließen.

Wie gehen nun die Künstler mit dem Thema „Begegnungen“ um?

Unter den vielfältigen Positionen und künstlerischen Auseinandersetzungen, die wir in der Gemeinschaftsausstellung präsentieren, sind unterschiedliche Grundprinzipien auszumachen, die teilweise kombiniert in einer Arbeit auftreten:

Erstens: Eine  Begegnung wird gewissermaßen als Momentaufnahme oder Versatzstück von Erinnerungen dargestellt, als Szene eingefangen und damit verbundene Emotionen und Stimmungen widergespiegelt.

Zweitens: Es findet ein interaktives Spiel, eine bewusste dialogische Auseinandersetzung zwischen Kunstwerk und Betrachter statt.

Drittens: Die Begegnung findet in formaler Weise beispielsweise auf einem Bildträger statt: Formen, Farben, Linien und Materialien treffen aufeinander und bilden einen komplexen expressiven Bildaufbau.

Da wir nach der Wettbewerbsausschreibung des badischen kunstforums 9 nationale wie internationale Künstler ausgewählt haben, die teilweise mit mehreren Arbeiten ausgestellt sind, möchte ich Ihnen die Künstler in aller Kürze vorstellen.

Lillemor Mahlstaedt

Foto: Lillemor Mahlstaedt

Das Hauptthema der Künstlerin Lillemor Mahlstaedt ist der Mensch in seinem Lebensumfeld. In ihrer Arbeit „Sonntagabend“ von 2010  ist eine Personengruppe auszumachen. Individuen, die lange Schatten werfen und sich vom Betrachter entfernen. Der Eindruck, dass sich das Dargestellte dem Betrachter entzieht, verstärkt sich durch die Technik des Verwischens und Übermalens, die eine Bewegung unterstreicht. Trotz einer akzentuierten Farbigkeit wirkt das Bild düster, die Silhouetten und Schemen einsam. Entfremdung und Isolation des Individuums,  Anonymität innerhalb einer Gesellschaft werden zum Thema.

Stephan Groß

Foto: Stephan Groß

Der Künstler Stephan Groß ist mit “ICI”, einem digital animierten typographischen Video vertreten. Es basiert auf dem französischen Adverb ici = hier, hierher, das zunächst von vier Seiten langsam auf die Bildmitte zusteuert. Jedoch verselbständigen sich die Buchstaben zu einzelnen Modulen, die immer wieder auseinandertreiben und sich weiter bewegen. Die so entstehenden symmetrischen Muster machen “ICI” zu einer Choreographie, die zu einer Art “Wahrnehmungsübung” wird. Der meditative, fast schwerelos wirkende Charakter der 15-minütigen Videoarbeit  wird durch eine sphärisch anmutende Tonspur unterstrichen.

Silvia Lerin

Foto: Silvia Lerin

Die Spanierin Silvia Lerin stellt hier 2 großformatige Bilder aus. Strukturierte, aufwändig verarbeitete Grundfarben (Pigment, Latex und Marmorpulver) und geometrische Formen sind die Basis ihrer Arbeiten - ihre Malerei von architektonischer Konstruktion. Das Spiel mit Farben, Texturen und verschiedenen Ebenen und Flächen - Vordergrund und Hintergrund, Abdeckungen, Überlagerungen, Rissen und Rillen - machen Lerins Arbeiten zu komplexen Wahrnehmungsobjekten.

Andrea Rademacher-Mennicken

Foto: Andrea Rademacher-Mennicken

Die Belgierin Andrea Rademacher-Mennicken ist mit 2 Ölarbeiten vertreten. Die Beobachtung der Menschen und deren Kommunikation fesselt die Künstlerin. In ihren Arbeiten versucht sie diese Beziehungen, die Fragilität des Individuums in Momentaufnahmen festzuhalten. Spannungsreich werden die Bilder vor allem durch die ausdrucksstarken Gesten und Blicke, die Rademacher-Mennicken zur detaillierten Darstellung des menschlichen Miteinander einsetzt. Sensibel beobachtet entstehen „entschleunigte“ Bilder, die teilweise zu entlarvenden Zeugnissen zwischenmenschlicher Beziehungen werden.

Juliana Hümpfner

Foto: Juliana Hümpfner

Juliana Hümpfner reflektiert in Ihren  Arbeiten persönliche sowie kollektive Erinnerungen. Die Motive stammen dabei aus Familienalben, wobei die Fotografien als vorbereitendes Hilfsmittel dienen, um die vorgefundenen Sujets malerisch  - hier als atmosphärisch dichtes Ölbild - umzusetzen. Die Künstlerin interessieren Situationen der Begegnung, festgehaltene Momente als visuelle Augenblicksbeschreibungen. Hauptmotive ihrer Arbeiten sind dabei Portraits sowie die Darstellung von Menschengruppen, wobei Hümpfner vor allem daran interessiert ist, wie sich deren Zughörigkeit formal ausdrückt.

Rainer Weber

Foto: Rainer Weber

In Rainer Webers Kleinplastik “Krieg der Welten” besteht gewissermaßen ein Kampf zwischen dem funktionellen, dem inhaltsbeladenen Objekt des Föns und der organisch wirkenden Plastik. Auch wenn es zunächst so scheint, als ob die dynamische Form den Fön bezwingt, so ergibt sich doch aus dieser Begegnung der Objekte eine neu strukturierte Form, die sich gegenseitig bedingt: Die funktionelle Idee des Föns tritt in den Hintergrund und der Fön tritt wieder mehr als eigenständiges, Form gestaltendes Objekt in den Vordergrund. Durch Irritationen der gängigen Kontexte und deren Decodierung entstehen neue formale Bezüge und visuelle Wahrnehmungen.

Mariola Laschet

Foto: Mariola Laschets

Mariola Laschets Arbeit besteht aus 9 Einzelblättern und ist von skizzenhaftem, lebhaftem Charakter. Figuren und Szenen, Formen und Farbflächen werden spielerisch kombiniert und verselbständigen sich zu skurrilen und komplexen Formwirklichkeiten. Erinnerungen und Wahrnehmungssplitter werden fixiert. Für die Künstlerin manifestieren sich in dem Aufeinandertreffen der unterschiedlichen, miteinander kombinierten Bildwelten reale Begegnungen, die der Betrachter assoziativ  durchwandern soll.

Marianne Roetzel

Foto: Marianne Roetzel

Marianne Roetzel stellt hier eine Gruppe von Plastiken aus. Seit ca. 2001 entstehen aus Stahl, Draht, Gips und Pappmachee “Kleine Vögel” oder „Große Vögel“. In Konstellationen, die auf den jeweiligen Ort Bezug nehmen, ziehen die bizarren, teilweise bis zu 2 m hohen Kreaturen den Betrachter in ihren Bann. „Marianne Roetzels “Vögel” sind Masse und Individuum in einem“ (Dr. Christian Krausch). Jedoch nehmen sie nicht nur durch ihre seltsame dunkle Physiognomie Raum ein. Durch ihre Andersartigkeit und Fremdheit stellen sie ein emotionales Gegenüber für den Betrachter dar, das bewusst Verunsicherung und Befremden auslösen soll.

Rolf Löhrmann

Foto: Rolf Löhrmann

Von dem Künstler Rolf Löhrmann sind 4 Arbeiten ausgestellt. Verschwindend klein sind die Menschen, die sich im städtischen Raum begegnen; Teil eines großen Ganzen, das sie beinahe unscheinbar erscheinen lässt. Eine Reflexion bzw. Variation über das Bildthema sind die 4 Holzdrucke  ohne Titel, die dem Betrachter dasselbe Sujet in unterschiedlicher Farbigkeit präsentiert und dadurch immer wieder neue Akzente und unterschiedliche Facetten des Dargestellten bietet. Eine Möglichkeit, wie Löhrmann selbst sagt, „sich im Bildhaften zu verlieren, darin zu schwelgen und spazieren zu gehen.“

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen  einen schönen Kunstabend.

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